Time is Brain Herz- und Hirn-Erkrankungen

Ein Schlaganfall erfordert sofortiges Handeln

Time is Brain

Weltweit treten vor allem in Wohlstandsgesellschaften, unabhängig von der Altersentwicklung der Bevölkerung, Schlaganfälle und Herzinfarkte mit zunehmender Häufigkeit auf. Ein Großteil dieser Erkrankungen könnte durch Prävention und rechtzeitige ärztliche Behandlung verhindert werden. Es ist zudem zu beobachten, dass Schlaganfälle („Apoplexe“) immer häufiger auch bei jüngeren Menschen vorkommen.

Es gibt zwei wesentliche Ursachen für einen Apoplex, erklärt Dr. Jörg Schrader, Chefarzt der Inneren Medizin der Klinik Husum: „In 80 Prozent aller Fälle kommt es zu einer Unterbrechung der Gehirndurchblutung; in den verbleibenden 20 Prozent der Fälle ist eine Blutung im Gehirn Ursache für den Schlaganfall.“

Rettungswagen und Rettungshubschrauber
Ergibt der FAST-Test Indizien für das Vorliegen eines Schlaganfalls, zählt jede Minute. Alarmieren Sie den Rettungsdienst über 112.
MRT im Klinikum Husum
In der Klinik Husum startet schnellstmöglich die Diagnostik mit bildgebenden Verfahren.

Die Risikofaktoren

Das Risiko, einen Schlaganfall zu erleiden, wächst mit der Anzahl und dem Umfang bestimmter Risikofaktoren. Zu diesen gehören:

  • Bluthochdruck
  • Herzrhythmusstörungen, insbesondere Vorhofflimmern
  • Diabetes („Zuckerkrankheit“)
  • „die Pille“
  • Rauchen erhöhte Blutfettwerte
  • Übergewicht
  • Bewegungsmangel
  • Alkohol- und Drogenkonsum
„Telemedizinische Schlaganfallnetzwerk Nord-Ost“
Mit Hilfe einer jederzeit herstellbaren teleneurologischen Verbindung in das „Telemedizinische Schlaganfallnetzwerk Nord-Ost“ wird ein Neurologe aus der Helios Klinik in Schleswig für die Befundung hinzugezogen.

Die Hauptursachen für einen Apoplex

Ein Schlaganfall kann vor allem aufgrund dreier akuter Geschehnisse im Gehirn ausgelöst werden. Diese sind:

  • Die Hauptursache für den Verschluss von Gefäßen stellt Gefäßverkalkung der Gehirnschlagadern (Atherosklerose) dar. Hierbei bilden sich im Lauf der Zeit Gefäßwandablagerungen aus Fetten und Kalk, die die Arterien verengen und eine Blutgerinnselbildung vor Ort hervorrufen können. Besonders nachts, wenn der Blutdruck abfällt, oder aber beim Abgang eines Blutgerinnsels kann es zu einer Unterbrechung der Sauerstoffzufuhr im Gehirn mit einer Durchblutungsstörung (Schlaganfall) kommen.
  • Bei der häufigsten Herzrhythmusstörung, dem „Vorhofflimmern“, kann es häufig zu einer Blutgerinnselbildung im Herzen kommen. Durch den Blutstrom wird dieses Gerinnsel mitgerissen („Embolie“) und häufig in das Gehirn transportiert. Ein solcher „Gefäßpfropf“ wird ein Blutgefäß verschließen und dadurch einen Schlaganfall auslösen.
  • Eine Hirnblutung kann bei plötzlichem Blutdruckanstieg an vorgeschädigten Gehirnschlagadern auftreten. Es kommt zu einem Riss einer Hirnarterie und Blut tritt in das Hirngewebe, das durch die Druckbelastung in der engen Schädelkapsel Schaden nimmt. Nur über einen neurochirurgischen Eingriff mit schneller Druckentlastung und Stoppen der Blutung kann ein tödlicher Verlauf verhindert werden.
Teledoc
Teledoc heißt das Gerät, das eine Video-Übertragung in Echtzeit in das Schlaganfallnetzwerk herstellt.

Teleneurologisches Netzwerk

Wird ein Patient mit der Verdachtsdiagnose „Schlaganfall“ in ein Krankenhaus eingeliefert, sehen die Leitlinien eine umfangreiche Diagnostik vor. Dazu gehört eine fachliche Stellungnahme eines neurologischen Facharztes / einer neurologischen Fachärztin – also eines Facharztes, der auf die Erkennung und Behandlung von Erkrankungen des Gehirns, der Sinnesorgane und des Rückenmarks spezialisiert ist.

Für eine Klinik wie Husum ist keine eigene Neurologie im Landeskrankenhausplan vorgesehen. Daher hat sich das Klinikum nach einem Partner umgeschaut, um die hochwertige Versorgung von Schlaganfallpatienten absichern zu können. Diesen hat es in der Helios-Klinik Schleswig gefunden. Durch diese Kooperation ist die Klinik Husum Teil des „Telemedizinischen Schlaganfallnetzwerks Nord-Ost“, dem verschiedene Kliniken im Norden angehören.

Dieses Netzwerk ermöglicht es, dass die Patient * innen bereits in der Notaufnahme über eine Videokonferenz von einem Neurologen / einer Neurologin gesehen werden und eine neurologische Einschätzung der Erkrankungsschwere erfolgen kann. Zusätzlich wird über das telemedizinische Netz sichergestellt, dass die Computertomographien, die unverzüglich von eingelieferten Schlaganfall-Patienten gemacht werden, direkt rund um die Uhr durch Fachärzt * innen für Neurologie ausgewertet werden. Daraus werden die Therapie-Empfehlungen für die Patient * innen abgeleitet.

„Dies gibt uns die notwendige Sicherheit, um vor Ort eine unverzügliche Therapie einzuleiten. Diese kann von einer medikamentösen Auflösung des Blutgerinnsels im Gehirn bis hin zur Verlegung in die Neurochirurgie eines anderen Krankenhauses, wo dann eine Operation durchgeführt wird reichen.“

Dr. Jörg Schrader

Zur Kooperation zwischen Schleswig und Husum gehört auch die tägliche gemeinsame Visite mit einem Facharzt / einer Fachärztin für Neurologie aus Schleswig auf der spezialisierten Schlaganfallstation („Stroke Unit“) in der Klinik Husum, sodass der Therapie- Fortschritt fachkompetent überwacht wird.

Prävention

Ein Schlaganfall ist gravierend und kann das Leben für die Betroffenen – aber auch für deren Angehörige – in erheblicher Weise verändern, daher rät Dr. Jörg Schrader, die Risikofaktoren zu reduzieren. Dazu gehören ein Anstreben des Normalgewichts, eine fettarme Ernährung mit viel Obst und Gemüse, ein Rauchverzicht, ein gemäßigter Alkoholkonsum und viel Bewegung!

In jedem Fall sollte jedes Anzeichen, wie Sehstörungen, Sprachstörungen oder leichte Lähmungen – auch wenn sie nur vorübergehend auftreten – ernst genommen und sofort der nächste erreichbare Arzt oder ein Krankenhaus aufgesucht werden.

Privatdozent Dr. Jörg Schrader
Privatdozent Dr. Jörg Schrader ist Chefarzt der Inneren Medizin der Klinik Husum.

„Time is brain – die ersten Stunden sind die wichtigsten bei der Diagnostik und Therapie eines Schlaganfalls“, verdeutlicht der Chefarzt abschließend.

Michael Mittendorf

Symptome für einen Schlaganfall („Apoplex“)

  • halbseitige Körperlähmungen
  • halbseitige Gesichtslähmungen
  • Sprach- und Schluckstörungen
  • Sehstörungen mit Doppelbildern
  • Bewusstseinsstörungen
  • halbseitige Gefühlsstörungen
  • Schwindel mit Gangunsicherheit
  • starke Kopfschmerzen

Mit dem „FAST-Test“ lässt sich der Verdacht auf einen Schlaganfall überprüfen. Der Test stammt aus dem englischsprachigen Raum:

  • Face: Bitten Sie die Person zu lächeln. Hängt ein Mundwinkel herab, deutet das auf eine Halbseitenlähmung hin.
  • Arms: Bitten Sie die Person, die Arme nach vorne zu strecken und dabei die Handflächen nach oben zu drehen. Bei einer Lähmung können nicht beide Arme gehoben werden, ein Arm sinkt oder dreht sich.
  • Speech: Lassen Sie die Person einen einfachen Satz nachsprechen. Ist sie dazu nicht in der Lage oder klingt die Stimme verwaschen, liegt vermutlich eine Sprachstörung vor.

Time: Wählen Sie unverzüglich die 112 und schildern Sie die Symptome.

Quelle: www.schlaganfall-hilfe.de